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Zusammengerolltes Flipchart-Blatt mit verblassten Haftnotizen in der Ecke eines Besprechungsraums

Change und Führung

Der Workshop war super. Und dann passierte nichts.

Die Rückmeldebögen waren glänzend, die Massnahmenliste lang. Drei Monate später erinnert sich niemand mehr. Woran Workshops scheitern, und zwar meistens nicht im Workshop selbst.

StartRatgeberChange und Führung

7 Min.

Kennen Sie das Blatt? Es lehnt in der Ecke des Besprechungsraums, zusammengerollt, mit bunten Haftnotizen. Es war das Ergebnis eines guten Tages. Die Führungsrunde war offen, die Produktion und die Administration haben sich zum ersten Mal wirklich zugehört, die Massnahmenliste hatte zwei Seiten. Alle haben sich bedankt. Und dann kam der Montag, und mit ihm das Tagesgeschäft.

Ich habe über hundert Workshops und Trainings begleitet, und ich sage das mit aller Ehrlichkeit: Der Workshop selbst ist fast nie das Problem. Es scheitert vorher, weil niemand geklärt hat, was danach passieren darf. Und es scheitert nachher, weil der Workshop als Ereignis gedacht war und nicht als Anfang.

In diesem Beitrag geht es um die Frage, warum Workshops so oft folgenlos bleiben, und um das, was Sie als Auftraggeber tun können, damit aus einem guten Tag eine Veränderung wird.

Warum Workshops sich gut anfühlen und trotzdem nichts bewegen

Ein Workshop ist ein geschützter Raum. Die Hierarchie ist für einen Tag gelockert, das Tagesgeschäft ist ausgesperrt, jemand von aussen moderiert. In diesem Raum sagen Menschen Dinge, die sie sonst nicht sagen, und sie einigen sich auf Dinge, auf die sie sich sonst nicht einigen. Das ist der Wert des Formats.

Es ist zugleich seine Falle. Was im geschützten Raum vereinbart wurde, muss im ungeschützten Alltag umgesetzt werden. Dort gilt wieder die Hierarchie, dort drängt das Tagesgeschäft, dort ist niemand von aussen. Die Vereinbarung, die im Workshop selbstverständlich wirkte, wirkt am Montag plötzlich riskant.

Dazu kommt die Verwechslung von Erlebnis und Ergebnis. Rückmeldebögen messen, wie der Tag war. Sie messen nicht, was er verändert. Ein Workshop kann für alle Beteiligten wunderbar gewesen sein und trotzdem nichts bewirkt haben. Die gute Stimmung ist dann das Ergebnis, und sie hält so lange wie die Erinnerung an den Tag.

Die Ursachen liegen vor dem Workshop

Wenn ich mit Auftraggebern über einen Workshop spreche, stelle ich vor allem drei Fragen. Die Antworten entscheiden, ob es sich lohnt.

Was darf danach anders sein? Erstaunlich oft ist die Antwort unklar. Der Workshop soll „die Zusammenarbeit verbessern“ oder „das Team abholen“. Das sind Wünsche, keine Ergebnisse. Wenn nicht klar ist, was sich im Ablauf, in den Rollen oder in den Entscheidungen ändern darf, wird sich nichts ändern.

Wer entscheidet über die Ergebnisse? Ein Workshop, dessen Massnahmen anschliessend durch drei Gremien müssen, produziert Vorschläge, keine Veränderung. Die Beteiligten merken das schnell und arbeiten entsprechend unverbindlich. Wenn die Führung, die entscheiden kann, nicht im Raum ist oder ihre Entscheidungen nicht vorab an das Team delegiert hat, ist der Tag eine Übung.

Was ist das eigentliche Problem? Der Workshop-Wunsch ist oft ein Symptom. Zwei Bereiche streiten, also soll ein Workshop die Beziehung verbessern. Das eigentliche Problem ist eine unklare Schnittstelle, die im Workshop gar nicht auf der Tagesordnung steht. Dann werden die Beteiligten am Ende freundlicher miteinander, und die Schnittstelle bleibt unklar.

Ein Beispiel: die Massnahmenliste, die niemand besass

In einem Werk mit mehreren Produktionsbereichen hatte die Werkleitung einen zweitägigen Workshop zur Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Planung, Produktion und Logistik beauftragt. Der Workshop war gelungen. Die drei Bereiche hatten sich Dinge gesagt, die seit Jahren unausgesprochen waren, und eine Liste mit vielen Massnahmen erarbeitet.

Drei Monate später war keine davon umgesetzt. Nicht aus Bosheit. Jede Massnahme hatte einen Namen daneben, aber der Name war nur der, der die Idee eingebracht hatte. Ob er sie umsetzen durfte, mit welchen Ressourcen und bis wann, war nie geklärt worden. Die Werkleitung hatte nach dem Workshop nicht mehr nachgefragt, weil sie davon ausging, dass die Liste sich selbst abarbeitet.

Was dann half, war kein zweiter Workshop. Es war ein kurzer Termin, in dem die Liste auf drei Massnahmen gekürzt wurde, die die Werkleitung selbst freigab, mit je einer verantwortlichen Person und einem festen Platz im wöchentlichen Bereichsleitermeeting. Zwei davon wurden umgesetzt. Die dritte scheiterte an einer Schnittstelle, und genau dieses Scheitern lieferte das Thema für die nächste Runde. So sieht Fortschritt aus. Nicht als volle Liste, sondern als sichtbare Bewegung.

Was während des Workshops anders sein muss

Wenn die Voraussetzungen vorher geklärt sind, entscheidet im Workshop vor allem eine Sache über die Wirkung: Ob am Ende Verantwortung verteilt wird oder nur Ideen gesammelt.

Dafür haben sich bei mir einige Regeln bewährt:

  • Weniger ist mehr. Drei Massnahmen mit Besitzer und Termin sind mehr wert als zwanzig ohne. Der Rest wird notiert und ausdrücklich zurückgestellt.
  • Jede Massnahme hat genau eine Person. Nicht eine Abteilung, nicht ein Kreis. Und diese Person muss sagen, was sie braucht, um anzufangen.
  • Der erste Schritt wird im Raum festgelegt. Nicht die ganze Umsetzung, aber die eine Sache, die in der ersten Woche passiert. Das zwingt zur Konkretheit.
  • Der Ort der Nachverfolgung wird benannt. In welchem bestehenden Meeting werden die Massnahmen besprochen? Ein neues Meeting dafür einzuführen, ist meist der Anfang vom Ende.
  • Die Führung sagt am Ende, was sie freigibt und was nicht. Ehrlich, im Raum, nicht in einer Mail eine Woche später.

Der letzte Punkt ist unangenehm und deshalb entscheidend. Menschen können damit leben, dass nicht alles freigegeben wird. Womit sie nicht leben können, ist die Erfahrung, dass alles freundlich aufgenommen wurde und dann in der Stille verschwand.

Die ersten vier Wochen danach

Die Wirkung eines Workshops entscheidet sich in den Wochen danach, und dort ist die Führung gefragt, nicht die Moderation.

In der ersten Woche muss der erste Schritt jeder Massnahme sichtbar passiert sein. Nicht das Ergebnis, aber der Anfang. Wer als Führungskraft in dieser Woche nicht nachfragt, signalisiert, dass es nicht wichtig war. Wer nachfragt, signalisiert das Gegenteil, und zwar an alle, nicht nur an den Gefragten.

In den folgenden Wochen gehören die Massnahmen auf die Tagesordnung des Meetings, das dafür benannt wurde. Kurz, nach dem immer gleichen Muster: Wo steht es, was fehlt, was entscheidet die Führung heute? Das ist der PDCA-Zyklus in seiner einfachsten Form, und er ist das Einzige, was ein Workshop-Ergebnis am Leben hält.

Und wenn eine Massnahme scheitert, ist das kein Versagen, sondern eine Information. Warum? Was fehlte? Diese Antwort ist oft wertvoller als die Massnahme selbst, weil sie auf das eigentliche Hindernis zeigt. Ein Workshop, dessen Ergebnisse so nachverfolgt werden, verändert etwas. Einer, dessen Liste im Schrank liegt, war ein Tag.

Was Sie einen externen Begleiter fragen sollten

Wenn Sie jemanden von aussen für einen Workshop holen, achten Sie darauf, welche Fragen diese Person Ihnen stellt, bevor sie zusagt. Fragt sie nur nach Termin, Teilnehmenden und Raum, dann bekommen Sie einen Tag. Fragt sie, was danach anders sein darf, wer entscheidet und wo die Ergebnisse nachverfolgt werden, dann bekommen Sie eine Chance auf Veränderung.

Und seien Sie ehrlich mit sich selbst, wenn Sie die Antworten nicht haben. Dann ist der Workshop vielleicht noch nicht der richtige Schritt. Vielleicht braucht es zuerst ein Gespräch in der Führungsrunde darüber, was überhaupt verändert werden soll. Das ist weniger spektakulär als ein Tag mit Moderationskarten. Es ist aber die Voraussetzung, dass der Tag etwas bringt.

Kurz gesagt

  • Der Workshop scheitert selten im Workshop. Er scheitert vorher an unklaren Zielen und nachher an fehlender Nachverfolgung.
  • Rückmeldebögen messen das Erlebnis, nicht das Ergebnis. Gute Stimmung ist kein Beweis für Wirkung.
  • Klären Sie vorab: Was darf danach anders sein, wer entscheidet, was ist das eigentliche Problem?
  • Drei Massnahmen mit je einer Person, erstem Schritt und Ort der Nachverfolgung schlagen zwanzig ohne.
  • Die Führung entscheidet über die Wirkung: durch ehrliche Freigabe im Raum und Nachfragen in der ersten Woche.

Häufige Fragen

Häufige Fragen

Sollen wir nach einem folgenlosen Workshop einen zweiten machen?

In den meisten Fällen nicht, jedenfalls nicht sofort. Ein zweiter Workshop mit denselben Voraussetzungen produziert dasselbe Ergebnis, und die Teilnehmenden werden noch unverbindlicher, weil sie es beim ersten Mal erlebt haben. Nehmen Sie stattdessen die bestehende Liste, kürzen Sie sie auf wenige Massnahmen, geben Sie jeder einen Besitzer und einen Platz in einem bestehenden Meeting. Wenn das läuft, lohnt sich ein nächster Workshop, weil die Leute dann wissen, dass etwas passiert.

Muss die Geschäftsführung im Workshop dabei sein?

Nicht zwingend die ganze Zeit, aber ihre Entscheidungsbefugnis muss im Raum sein. Entweder ist die Führung selbst da und gibt am Ende frei, oder sie hat vorher klar delegiert, was das Team entscheiden darf. Ein Workshop, dessen Ergebnisse nachträglich zur Genehmigung vorgelegt werden, wirkt unverbindlich, und genau so arbeiten die Teilnehmenden dann. Wenn die Führung anwesend ist, sollte sie zuhören und erst am Ende sprechen, sonst richtet sich der Raum nach ihr aus.

Wie viele Massnahmen sind realistisch?

Wenige, und lieber weniger als Sie denken. Ich rate zu so vielen, wie es Personen gibt, die sie neben dem Tagesgeschäft tatsächlich tragen können. Meist sind das eine Handvoll. Alles Weitere wird sichtbar zurückgestellt, damit die Ideengeber wissen, dass ihre Idee nicht verloren ist, sondern wartet. Eine kurze Liste, die abgearbeitet wird, baut Vertrauen auf. Eine lange Liste, die liegen bleibt, zerstört es.

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